Berichte

Diese Seite ist für Berichte und Kritiken zu Veranstaltungen unseres Vereins, aber auch anderer archäologischer Vereine, Institutionen und Museen gedacht.

Wir freuen uns über Beiträge unserer Mitglieder. Die Länge der Beiträge ist bitte auf maximal 1000 Worte zu beschränken, und es ist möglichst zumindest ein selbsterstelltes Foto einzureichen. Bitte keine Fotos oder Grafiken, an denen andere Personen Rechte haben, es sei denn, deren ausdrückliche Einwilligung liegt vor. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung eingereichter Texte. Die Redaktion behält sich Kürzungen und geringfügige Änderungen an den eingereichten Texten vor.

FABL-Mitglieder unterstützen in der Ausstellung “SAXONES”
Auf den Spuren der braunschweiger Stadtbefestigung
Bilder zur “Himmelswege”-Exkursion nach nach Pömmelte und Goseck
Nachlese zum FABL-Ausflug nach Hildesheim
Bericht zur FABL-Exkursion: “Lübeck – das Haupt der Hanse”
Kurzbericht: Umzug des Urnenfriedhofs vom Pfingstberg
Bilder des historischen Stadtrundgangs in Wolfenbüttel
Bilder der Schleswig-Exkursion
Bericht Ausflug nach Liebenau
Bericht Vortrag Friedhof Wolfenbüttel
Kommentar Palmyra-Ausstellung


FABL-Unterstützerteam für die Ausstellung „SAXONES – Das erste Jahrtausend in Niedersachsen“
im Braunschweigischen Landesmuseum
An Wochenendtagen unterstützen Mitglieder von FABL in der Ausstellung SAXONES das Museumspersonal als ehrenamtliche Mitarbeiter.

  • Hier geht's hinein ins Landesmuseum.

Unsere Aufgaben:
Unsere Hauptaufgabe ist die Unterstützung des Aufsichtspersonals in der museumspädagogischen Abteilung „SAXONES zum Anfassen“. Diese ist zwar meist mit zwei regulären Kräften besetzt, hat aber vier Abteilungen und ist grundsätzlich für den Besuch durch einzelne Familien gedacht. Kinder (gerne natürlich auch Erwachsene) können hier Repliken in die Hand nehmen und verschiedene Tätigkeiten ausprobieren. Erfahrungsgemäß hat diese Abteilung etwa ebenso viele Erwachsene Besucher ohne wie mit Kindern.
Wir helfen auch als allgemeine Ansprechpartner für „orrientierungslose“ Besucher. Mögliche Fragen könnten sein: „Wo ist hier das WC?“ „Wo ist die Garderobe?“ „Wo oder wie bekomme ich weitere Informationen zu XY?“

Gisela Brockow schrieb nach ihrem ersten Einsatz:
“Es war ein spannender und anregender Sonntag im Landesmuseum.
In der Abteilung ‘Museum zum Anfassen und Ausprobieren’ konnten wir den kleinen und großen Museumsbesuchern hilfreich zur Seite stehen und haben selber viel gelernt.”

Gisela Meier-Maletz kommentierte:
„Auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass Besucher jeden Alters sich über die Möglichkeit freuten, Gegenstände anzufassen, die den Exponaten entsprachen. Viele Erwachsene haben sich für die Kleidung und weitere Alltagsgegenstände interessiert. Überraschung bot jedesmal der Lederbeutel, den alle für eine Geldbörse hielten, wenn ich ihn als “Kulturtasche” des alten Germanen entlarvte.
Im Raum zu den Sachsenkriegen fanden die Schwerter reges Interesse bei Groß und Klein, die Kriegervollausrüstung (Kettenhemd, Helm, Schild und Schwert oder Lanze) ließen sich sehr viele Kinder, auch Mädchen, gern anziehen, alle waren begeistert, dass man mal in die Rolle eines „Saxonen-Kriegers“ schlüpfen konnte. Die Eltern haben massenhaft Fotos von ihren Kindern neben der Kriegerpuppe, auf dem Holzpferd und am Lagerfeuer gemacht.
In der Schreibstube haben fast alle mal die Federn ausprobiert, kam also auch gut an.
Insgesamt hat es sehr viel Spaß gemacht, da die Besucher mit viel Neugierde und Freude durch die Räume gegangen sind und sich sogar bedankt haben. Ich denke, alle kommen wieder, wenn bei der nächsten Ausstellung ein ähnliches Angebot dabei ist.“


Am 18. August 2019 trafen sich etwa 40 FABL-Freunde, um an einer historische Stadtwanderung auf den Spuren des braunschweiger Festungsbaumeisters Johann Caspar von Völcker teilzunehmen. Auch alten Braunschweigern eröffnete diese Wanderung viele neue Perspektiven. Herzlichen Dank an Wolfgang und Achim für diese schöne, erkenntnisreiche Führung!

  • Start bei den letzten Resten der mittelalterlichen Stadtmauer Beginekenworth.


Bilder zur “Himmelswege”-Exkursion nach nach Pömmelte und Goseck am 11.05.2019

Fotos von Angelika Wiese.


Hildesheim: “Schaufenster Archäologie” – “Der Schatz” – “Irrtümer und Fälschungen in der Archäologie”
Nachlese zum FABL-Ausflug am 03.02.2019


Mit 41 Teilnehmern suchte FABL an diesem Februar-Sonntag Hildesheim – heim. 26 davon reisten einer Idee von Achim folgend mit dem Zug an: Nach meiner Auffassung eine klasse Idee, die sehr gut funktioniert hat!
Wir bekamen drei sehr unterschiedliche Möglichkeiten, Archäologie auszustellen, zu sehen. Und jede davon hatte etwas für sich.
Ein großes Danke an dieser Stelle an Dr. Bölke und Dr. Siedow, die uns im Knochenhauer Amtshaus führten!
Ein paar weiterführende Hinweise:
Man sieht, dass wir einmal mehr den Nagel auf den Kopf getroffen hatten, denn nur einen Tag vor uns war der NDR unter anderem in Hildesheim.

Den Beitrag aus “Hallo Niedersachsen” kann man (hoffentlich noch einige Zeit) in der Mediathek des NDR nachsehen. (Klick auf das Bild.)
Die erwähnte Online-Petition kann man hier nachlesen:
https://www.navo.niedersachsen.de/navo2/portal/nipetition/0/publicviewpetition?id=13
Und natürlich kann man sie dort auch zeichnen, falls einem das Anliegen gefällt.

Dazu sei eine Parallele als persönliche Bemerkung angeführt: Wäre nicht vor Jahrzehnten der damalige Ortsbürgermeister und spätere große Förderer unseres Vereins Eberhard Lüttgau entschieden gegen den Kiesabbau am Burgwall in Isingerode eingeschritten, hätte es das Ausgrabungsprojekt, das über zwölf Jahre ein wichtiger Bestandteil unserer Vereinsarbeit war, nie gegeben. Etwa ein Drittel der – wie wir jetzt wissen – spätbronzezeitlichen Befestigung war da bereits durch Kiesabbau zerstört.

Den Flyer zum “Schaufenster Archäologie” gibt es hier zum Download als PDF:
https://bwv-hi.de/fileadmin/user_upload/BWV_Arch_Flyer.pdf

Zu der Frage “Goldfunde aus Bernstorf: echt oder falsch?” kann man hier etwas nachlesen:
https://www.archaeologie-online.de/nachrichten/goldfund-von-bernstorf-stammt-wohl-doch-nicht-aus-der-bronzezeit-2661/

Zu der Frage der Echtheit der Goldscheibe von Moordorf kann man in der Zeitschrift “FAN-Post” 2017 ab Seite 24 etwas nachlesen. Und Wilkenburg spielt in der FAN-Post auch immer eine Rolle. (FAN=Freundeskreis für Archäologie in Niedersachsen).
http://www.fan-nds.de/media/3_Wir_ueber_uns/5_FAN-Post/FAN-Post_2017.pdf

Ich hoffe, dass weitere Teilnehmer Fotos gemacht haben. Meine wenigen sind nicht besonders geworden.

Dr. Bölke erklärt “den Schatz” anhand von hervorragenden Repliken.
FABL futtert im “NIL”.
Übersetzung der Hieroglyphen: 

Person rechts:
“Hast Du gehört? In Hildesheim gibt es gerade zwei archäologische Sonderausstellungen gleichzeitig zu sehen! Sogar Besucher aus Gifhorn, Braunschweig, Wolfenbüttel, Salzgitter und Bad Harzburg kommen deshalb hier her.”
Person links:
“MEINEN GOTTGLEICHEN KÖRPER gibt es hier in Hildesheim IMMER zu sehen! Sollte das nicht Grund genug für einen Besuch sein?! Und übrigens soll meine Barttracht ab 2020 (vor oder nach Chr.?) wieder sehr in Mode kommen!”

Lothar Jungeblut


„Lübeck – das Haupt der Hanse“
Bericht von der FABL-Exkursion am 27./28. Oktober


Nachdem wir bei herbstlichem Wetter und mit froher Stimmung am frühen Morgen des 27. Oktober an unseren traditionellen Startpunkten aufgebrochen waren, fuhren wir mit dem Bus über die B4 direkt nach Norden Richtung Lüneburg und Lauenburg und erreichten nach einem Mittagspicknick pünktlich unser Reiseziel Lübeck. Durch die Vermeidung der Autobahn liefen wir diesmal nicht Gefahr, wieder in eine solch prekäre Stausituation vor Hamburg zu geraten wie im Frühjahr bei der Fahrt nach Schleswig. Außerdem vermittelte uns unser Vereinsfreund Prof. Wolfgang Meibeyer unterwegs interessante Eindrücke von den gerade durchfahrenen, von den Eiszeiten geformten Geländeformationen (End- und Grundmoränen, Sander und Urstromtäler).

In Lübeck empfing uns der Vorsitzende der Archäologischen Gesellschaft der Hansestadt Lübeck e.V., Herr Alfred Falk, in Begleitung seines Vereinskollegen Klaus-Dieter Karwath, die beide vor einigen Jahren an dem Besuch der Lübecker Archäologen auf unserer Grabung in Isingerode teilgenommen hatten. Mit dieser fachkundigen Begleitung wanderten wir zum Holstentor und danach durch die südliche und zentrale Lübecker Altstadt, wo uns Herr Falk zahlreiche historisch und archäologisch interessante Details erläuterte.

Als nächsten Punkt hatten wir eigentlich eine Schiffsfahrt auf der Trave und durch die Hafenanlagen gebucht, um Lübecks großer Rolle als historisch herausragender Seehandelsmetropole gerecht zu werden. Diese Tour musste die Reederei am Tag zuvor absagen, weil der Wind den Wasserstand in der Trave so aufgestaut hatte, dass das Schiff nicht mehr unter den Brücken hindurchgekommen wäre. Aber es war uns sofort gelungen, noch von zu Hause aus eine gute Alternative zu reservieren, nämlich ein Kaffeetrinken im „Marzipanspeicher“. Wie einst das Marzipan die belagerte Stadt vor dem Hunger gerettet haben soll, so rettete es diesmal unser schönes Nachmittagsprogramm.

Nach dem Einchecken in unserem Hotel setzte uns der Bus dann vor dem Burgtor, einst dem einzigen Landzugang zur „Stadtinsel“, wieder ab. Von dort begaben wir uns zum „Heilig-Geist-Spital“, in dessen mittelalterlichem Keller sich das Restaurant „Kartoffelkeller“ befindet, wo unser Abendessen uns erwartete. Froher Laune wanderten wir am späteren Abend zurück durch die Innenstadt und das Holstentor zu unserem Hotel.

Der Sonntagmorgen (28. Oktober) war dem Besuch des Europäischen Hansemuseums gewidmet, in dem die Geschichte der Hanse vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit dargestellt und erläutert wird. Die medialen Präsentationsformen sind sehr ansprechend gestaltet, aber auch sehr modern, was viele unserer Mitfahrer „toll“ fanden, während andere das Übergewicht von „Inszenierungen“ gegenüber traditionellen musealen Darstellungsformen eher bedauerten. Aber Alle waren sich einig, dass der Besuch des Hansemuseums auf jeden Fall lohnend ist. Die Mitglieder unseres Lübecker „Schwestervereins“, der Archäologischen Gesellschaft, bedauern es natürlich sehr, dass ihr einstiges, rein archäologisch ausgerichtetes Museum im Burgkloster nach 2011 der Inkorporierung in das „umfassendere“ Hansemuseum weichen musste.

Im Anschluss an den Museumsbesuch übernahm Alfred Falk wieder die Führung und zeigte uns die Befestigungen, Gebäude und „Gänge“ in der nördlichen Altstadt, schließlich auch noch das „Heilig-Geist-Spital“ von innen. Wir verabredeten mit ihm, den Kontakt zwischen unseren Vereinen auf jeden Fall aufrecht zu erhalten!

Nach einem Picknick fuhren wir am Sonntagnachmittag dann wieder durch die Heide der Heimat zu und erreichten Braunschweig und Wolfenbüttel abends in „spritziger“ Laune….

Joachim Block


Umzug des Urnenfriedhofs vom Pfingstberg

Etwa 500 Meter westlich der bekannten “Lübbensteine” bei Helmstedt befand sich auf dem inzwischen durch Sandabbau verschwundenen Pfingstberg ein ausgedehntes Urnengräberfeld der späten römischen Kaiserzeit. Seit den 1920 Jahren hatten hier immer wieder Ausgrabungen stattgefunden, so auch von 1956-1960 plus Nachgrabung 1967 durch das Braunschweigische Landesmuseum.
(Literatur: Dagmar Gaedtke-Eckardt: Der Pfingstberg bei Helmstedt – Studien zu einem Gräberfeld der Römischen Kaiserzeit bis Völkerwanderungszeit, Braunschweig 1991.)
Ein Teil des Fundmaterials lagerte seit längerer Zeit in einem Nebengebäude des Braunschweigischen Landesmuseums in Wolfenbüttel. Da dieses Nebengebäude stark renovierungsbedürftig ist, musste das Gräberfeld gewissermaßen umziehen. In einer gelungenen Aktion von 4 Mitarbeitern des Museums und 12 Helfern von FABL wurden am Samstag, 11. August 2018 über eine Kette mehrere Kubikmeter der berüchtigten grauen Kartons in neue Magazinräumlichkeiten überführt.
Es hat Spaß gemacht, hier im wahrsten Sinne “Hand in Hand” zu arbeiten. Danke an alle Helfer! (LO)

  • An der "Entnahmestelle" wurden die Kartons erst einmal von Staub befreit.

Historischer Stadtrundgang durch Wolfenbüttel

Ich mache hier mal mit ein paar Fotos den Anfang… (LO)

  • Sicherlich eines der meistfotografierten Motive in Wolfenbüttel: Klein Venedig.

FABL-Exkursion nach Schleswig am 14.+15.04.2018
“Die Schatzkammer der Norddeutschen Archäologie”

Unter unserer Rubrik Empfehlungen ist ein Buch aufgeführt, das ideal für die Nachbereitung der Exkursion ist. Siehe >HIER.

Weitere Fotos von der Exkursion finden sich auf der externen Webseite kaiserdom-koenigslutter.info , auf der über die Jahre immer wieder von FABL-Aktivitäten berichtet wurde.
(LO)


FABL-Ausflug nach Liebenau an der Weser am 17.03.2018
– Bericht von Lothar Jungeblut –
Mit Fotos von Peter Heinemeyer und Johanna Jasmin Jungeblut.

Schon im vergangenen Sommer hatte Peter Heinemeyer die Idee für einen Ausflug zur Pulverfabrik Liebenau geliefert. Da sich in unmittelbarer Nähe eines der bedeutendsten frühgeschichtlichen Gräberfelder in Niedersachsen befindet und sich erst seit wenigen Jahren ein archäologischer Verein mit der Erschließung der umgebenden Landschaft, der Geschichtsvermittlung und sogar einer eigenen Ausgrabung einer nahen frühmittelalterlichen Siedlung gebildet hatte, nahm ich Kontakt auf. Bei der weiten Anreise kann man sich ja mehr als einen Ort ansehen.
Dann schwappte die Grippewelle über Deutschland, und am Vorabend der Exkursion setzte auch noch ein Schnee- und Glatteis-Chaos in Teilen von Niedersachsen ein. Mehrere potentielle Teilnehmer sagten kurzfristig ab. Fast befürchtete ich, mit Peter allein da zu stehen.
Das war nicht der Fall. Eine kleine Gruppe – im shakespearschen Sinne „We happy few“ – fand sich in Liebenau ein.

***

Uns empfing die überaus engagierte Vorsitzende des Vereins „RAUZWI – lebendige Archäologie Mittelweser“ Frau Tessendorff.
Der Name des Vereins ist die Umschrift einer Runenritzung auf einer auf dem Gräberfeld gefundenen Fibel in lateinische Buchstaben. Das Logo von FABL übrigens wird zur Hälfte auch von einer Fibel mit Runenritzung gebildet.
Frau Tessendorf führte uns über das frühere Gräberfeld. Im Schutz eines von Mitgliedern ihres Vereins rekonstruierten Grubenhauses diskutierten wir verschiedene Fragen. Zum Beispiel Besonderheiten in der Belegung des Gräberfeldes, die mutmaßliche Gründerbestattung, Prospektionsmaßnahmen in der Umgebung, aber auch einfach Freud und Leid in der Arbeit eines archäologischen Vereins. Wobei die Freude natürlich stets überwiegt, sonst würden wir alle das ja nicht machen. Mit den Autos fuhren wir dann zur etwa 800 Meter entfernten Grabungsfläche. Im Sommer hätte man sicher zu Fuß gehen können, aber eine kurze Aufwärmung im Auto war nötig.
RAUZWI untersucht hier eine Siedlung, die nach aktueller Datierung etwa zu dem Zeitpunkt einsetzt, zu dem das Gräberfeld endet. (Für den Platz einer Vorgängersiedlung, die tatsächlich über den größeren Zeitraum der Belegung des Gräberfeldes existiert haben könnte, gibt es eine Fülle von Hinweisen aus Feldbegehungen.)

Hier gibt es eindeutig zu interpretierende Befunde – z.B. eben ein Grubenhaus – und rätselhafte Befunde, wie z.B. eine – ja was ? – eine „Wegespur“? Dank der Unterstützung der Gemeinde werden hier die Ausgrabungen fortgeführt. Man ist noch lange nicht am Ende der Erkenntnismöglichkeiten.
RAUZWI lädt FABL ein, erneut zu Besuch zu kommen, wenn die Ausgrabung in diesem Sommer fortgesetzt wird. Ich fahre da in jedem Fall hin.

***

Mittags trafen wir uns dann zu einer Einführung in das Thema „Pulverfabrik Liebenau“ mit weiteren Besuchern in der örtlichen Schule. Herr Guse von der „Dokumentationsstelle Pulverfabrik Liebenau“ hatte, nachdem sich abzeichnete, dass FABL nur mit einer kleineren Gruppe auftreten würde, weitere Besucher hinzugenommen.
Denn das Gelände der Pulverfabrik ist nicht öffentlich zugänglich, und ein Besuch ist mit einigem Aufwand verbunden. Unter anderem musste jeder Besucher drei Unterschriften leisten, bevor das Gelände betreten bzw. befahren werden durfte. Dieser – wie man neudeutsch sagt – „Lost Place“ umfasst mehr als 400 Gebäude, die sich in einem abgesperrten Gebiet von 12 Quadratkilometern verteilen. Entsprechend wurde das Gelände in Autokolonne erkundet. An drei Stationen hielten wir, um uns Dinge näher anzusehen.
Zur Geschichte der Anlage:
Als das Naziregime im Verlauf der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts gewaltige militärische Aufrüstungsmaßnahmen beschloss, entstand hier eine Fabrikationsanlage für Nitrozellulosepulver. Dieses Pulver ist sehr viel brisanter als das bis Ende des 19. Jahrhunderts übliche Schwarzpulver. Sowohl die Gesamtanlage, als auch die Architektur einzelner Gebäude war darauf ausgelegt, den Schaden von Explosionsunfällen zu minimieren. Und zu solchen Explosionsunfällen kam es tatsächlich mehrfach.
Nach dem Sturz des Naziregimes wurde das Gelände über Jahrzehnte weiter zur Herstellung ziviler und militärischer Sprengstoffe sowie Munition genutzt. Die Produktion wurde 1993 eingestellt.
Am Rande des Geländes befand sich zusätzlich bis 1992 ein schwer bewachtes „Sonderwaffenlager“ der NATO. (Damit sind Nuklearwaffen gemeint.) Dieses ist allerdings von der Erdoberfläche fast vollständig verschwunden.
Herrn Guse geht es vorrangig um die Aufarbeitung der Geschichte der hier arbeitenden Menschen in der Zeit der Nazidiktatur, vor allem der Fremd- und Zwangsarbeiter. Hierzu schilderte er auch bewegende Einzelschicksale, die beispielhaft für verschiedene Personengruppen stehen.

Das sich um so ein streng abgeschirmtes, geheimnisvolles Gelände auch rasch lokale, moderne „Sagen“ bilden, kann man sich vorstellen. Herr Guse aber versicherte uns: Es gibt keinen unterirdischen Tunnel, der von Liebenau an der Weser bis nach Berlin führte. Und das ist sicher nicht die abstruseste Idee, die man sich zusammenphantasierte.

  • Besuch bei "Rauzwi - lebendige Archäologie Mittelweser".

Zwar hatte ich im Kofferraum alle Utensilien für ein Outdoor-Kaffeetrinken mitgebracht. Auf Grund der eisigen Temperaturen suchte unsere kleine FABL-Gruppe dann aber doch lieber ein Restaurant auf, wo mit interessanten Gesprächen und heißen Getränken der Tag seinen Abschluss fand.

Weblinks:
https://rauzwi.de/index.php/startseite.html
http://www.martinguse.de/pulverfabrik/index.htm


Vortrag von Frau Dr. Bettina Jungklaus am 14.02.2018 im BLM WF:
Hier schlafet und ruhet wohl… Die Begräbnisse an der Hauptkirche BMV in Wolfenbüttel aus archäologischer und anthropologischer Perspektive.

Zu dieser Grabung ist noch kein Vorbericht erschienen. Wie bei vielen im Rahmen von Baumaßnahmen durch professionelle Grabungsfirmen durchgeführten Ausgrabungen, ist nicht abzusehen, wann eine Detailauswertung und Publikation erfolgt. Die Grabungsfirmen werden nämlich nur für die tatsächliche Ausgrabung und deren Dokumentation bezahlt. Nicht mehr. Da man also das von Frau Dr. Jungklaus Vorgetragene auf absehbare Zeit nirgendwo wird nachlesen können, bietet uns hier Peter Heinemeyer als Bericht seine Mitschrift des Vortrags an. Irrtümer vorbehalten. Nicht nur die Wolfenbütteler unter den Zuhörern werden sich wünschen, dass bei dem von Frau Dr. Jungklaus aufgezeigten Erkenntnispotential eine weitergehende Bearbeitung dieser Ausgrabung erfolgt.(LO)

– Mitschrift von Peter Heinemeyer –

In der Zeit von April bis September 2015 wurden von der Firma Arcontor insgesamt 85 Skelette auf der Nordseite des ehemaligen Kirchhofs der Hauptkirche BMV geborgen. Straßenbaumaßnahmen machten diese archäologische Sicherung notwendig, weil die Fläche anschließend durch den Erweiterungsbau der Reichsstraße versiegelt werden musste. Die Gräber wiesen kaum Störungen auf. Die Gräbertiefe lag bei einem Meter. Die oberen Deckschichten wurden bereits vor geraumer Zeit, nach Aufgabe dieses Friedhofareals abgetragen, bzw. stark verändert. Die Erkenntnisse aus dieser Grabung wurden stichpunktartig von Frau Dr. Bettina Jungklaus zusammengetragen.
Ausgegraben wurden Gräber aus der Zeit zwischen dem 14. und dem frühen 18. Jahrhundert. Die Skelettfunde aus dem Spätmittelalter stammen noch aus einer Zeit, in der die erste Vorgängerkirche, die sog. “Marienkapelle” (erste schriftliche Erwähnung: 1301) an der Stelle der heutigen Marienkirche stand und dieses Areal zu ihrem Kirchhof gehörte. Charakteristisch ist der gute Erhaltungszustand der Knochen und die exakte Ost-West-Ausrichtung der Körperbestattungen. Bestattet wurde ohne Särge. Diese waren zumindest nicht nachweisbar.

Die übrigen Körperbestattungen stammten aus der Zeit zwischen 1620 (ca. 40 Jahre vor der Vollendung des heutigen Baus der Marienkirche) und 1750. Dieser nördliche Friedhofsteil, der ab 1640 von einer Steinmauer begrenzt wurde, enthielt Erbpachtareale, die von wohlhabenden Bürgern erworben werden konnten. Je Areal wurden dort jeweils auf Flächen von 4,5 * 2,5 Metern bis zu 9 Bestattungen vorgenommen.

Eine weitere Besonderheit dieser Gräber ist der Umstand, dass es über diese Bestattungen eine sehr genaue Buchführung für 1720/ 1732 gibt, die 1747 von einem Herrn Woltereck zusammengestellt wurde. Hierzu gehören die Angaben über noch vorhandene Grabsteine, deren Inschriften und Auszügen aus den Kirchenbüchern. Auf diese Weise lassen sich die Grabungsbefunde zum Teil lückenlos den Aufzeichnungen zuordnen. Weitere Besonderheiten sind der relativ gute Erhaltungszustand der Knochen und die Tatsache, dass diese Gräber – anders als bei denjenigen aus dem Spätmittelalter – keine exakte Ost-West-Ausrichtung haben. Es handelt sich hierbei durchgängig um Sargbestattungen. Die Sargformen lassen sich noch an Hand der Bodenverfärbungen und an Hand der teilweise vorhandenen Beschläge und Griffe gut nachvollziehen. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde jeder Sarg individuell für den jeweiligen Verstorbenen angefertigt. Kleidung und sonstiges, was auf die Identität oder den Stand des Toten hindeuten würde, wurde nicht gefunden. Ausnahmen bilden zwei Holzkreuze, die jeweils bei Kinderbestattungen entdeckt wurden. Eines dieser Holzkreuze war nachweislich mit einer Blattgoldschicht versehen. In einem Erwachsenengrab befand sich ebenfalls ein Holzkreuz mit einem Corpus Christi aus Messing. Die durchschnittliche Körpergröße der Bestatteten betrug 164 cm (m) bzw. 155 cm (w).

Auffällig ist die relativ große Anzahl an Kinderbestattungen beiderlei Geschlechts. Weiterhin auffällig ist auch die relative Häufigkeit von Skorbut und Rachitis bei den Kinderskeletten. Man führt dies darauf zurück, dass den Kindern wohlhabender Eltern damals Vitamin C-haltige Frischkost verwehrt wurde und dass sie “lichtarm”, also kaum der Sonne ausgesetzt, aufwuchsen. Möglicherweise geschah dies aus Unwissenheit durch eine wohlmeinende Fürsorge, die jedoch genau das Gegenteil bewirkte.

Bei den Erwachsenen-Bestattungen war auffällig, dass der Zahnstatus der weiblichen Verstorbenen (Zahnschäden in über 50% aller Fälle) durchweg schlechter als derjenige der männlichen Verstorbenen war. Man führt dies darauf zurück, dass wohlhabende Bürger zu dieser Zeit, zur Hervorhebung gegenüber ärmeren Menschen, verstärkt zuckerhaltige Nahrungsmittel zu sich nahmen. Dies betraf vor allem die Frauen. An vielen Frauenschädeln konnte man feststellen, dass sie zu Lebzeiten teilweise ihre kompletten Zähne verloren hatten oder die meisten Zähne nur noch aus kariösen Stümpfen bestanden, inklusive der damit verbundenen eitrigen Entzündungen. (Und dies bereits bei Frauen über 30!) Hinzu kam, dass die Frauen der wohlhabenden Bürger zur Überernährung neigten. Man konnte deshalb bei Untersuchungen der Schädel weiblicher Verstorbener die dafür typischen Knochenauswölbungen nach innen feststellen. Weiterhin wurde ein durch Syphilis deformiertes Frauenskelett entdeckt. Damals gab es noch keine wirksame Behandlungsmöglichkeit gegen diese Krankheit, so dass die betroffenen Kranken bis an ihr Lebensende darunter leiden mussten und deshalb auch diese dafür typischen Knochenveränderungen des fortgeschrittenen Stadiums sichtbar sind.

In der Anfangs erwähnten Buchführung über die Erbpachtareale wurden die darin aufgeführten verstorbenen Kinder nicht namentlich erwähnt. Stattdessen umschrieb man sie nur mit „Töchterlein“, „Mägdelein“, „Erbe“, „Sohn“ usw.”


Ausstellung
REBUILD PALMYRA? – Zukunft eines umkämpften Weltkulturerbes.
20. 12. 2017 – 29. 04. 2018 im Braunschweigischen Landesmuseum / Burgplatz

  • Interaktive Projektion einer Karte des Geländes von Palmyra.

– Kommentar von Lothar Jungeblut –

„Multimedial und interaktiv“ informiert die Ausstellung über dreierlei: Die Bedeutung Palmyras in der Antike, den Zustand der Ruinenstadt im Rang einer UNESCO-Weltkulturerbe-Stätte vor – und nach den Zerstörungen durch IS Truppen 2015-2017. (Und bei diesen Zerstörungen handelte es sich ja keineswegs um militärische Kollateralschäden, sondern um eine bewusste Zerstörung von Kulturgütern.)
Dies ist eine Ausstellung gänzlich ohne Originalobjekte – aber unter überaus gelungenem Einsatz moderner didaktischer Mittel. Wenn man eine Museumsausstellung als Informationsmedium für kulturhistorische Inhalte auffasst, bedarf es meiner persönlichen Auffassung nach nicht zwangsläufig der Präsentation von Originalobjekten. Dies gilt insbesondere für das hier dargestellte Thema. Ich persönlich halte die Umsetzung für hervorragend. Als „Testbesucher“ hatte ich einen nur mäßig historisch interessierten Teenager mit dabei (JPJ). Dieser beschäftigte sich durchaus intensiv mit verschiedenen interaktiven Elementen der Ausstellung, konnte sich aber nicht ganz so lange wie ich für den virtuellen Rundgang mit der VR-Brille begeistern. Damit hätte ich selbst sicher noch zehn Minuten länger verbringen können.
Und dies ist dann ein wichtiger Hinweis: Die Ausstellung eignet sich NICHT für den Besuch durch größere Gruppen. Denn mit den verschiedenen Elementen können gleichzeitig immer nur sehr wenige Personen in Interaktion treten. So sind z.B. nur zwei VR-Brillen vorhanden. Wenn man die verschiedenen 360° Panoramen der Ruinenstadt tatsächlich auf sich wirken lassen will, ist das mit 5 Minuten kaum getan.
Im letzten Raum stellt die Ausstellung dann die Frage:
Rebuild Palmyra – Sollte man Palmyra wieder aufbauen? Wie weit darf dabei eine Rekonstruktion gehen?
Diese Frage hat nun viel mehr mit Braunschweig und dem Braunschweiger Land zu tun, als es auf den ersten Blick scheint. Denn die Frage, ob man zerstörte historische Baudenkmäler rekonstruieren solle bzw. dürfe, und wie dabei vorzugehen sei, hat sich in unserer Gegend schon häufiger gestellt, ist heiß diskutiert und letztendlich unterschiedlich beantwortet worden.
Als Stichworte seien hier nur das Traditionsinsel-Konzept für die im zweiten Weltkrieg weitgehend zerstörte Braunschweiger Innenstadt, die „Alte Waage“ und die Fassade des Ottmer-Schlosses genannt. Weniger bekannt sind wohl die Rekonstruktionsversuche am Querumer Borwall. Man denke aber auch an die Rekonstruktion von Gebäudeteilen bei der Kaiserpfalz Werla- oder wenn man in eine ganz andere Epoche schaut: Das Großsteingrab von Groß Steinum oder die Totenhütte von Remlingen.
Nun mag man anführen, dass bei Palmyra ja wohl maximal an eine Wiederherstellung des gut dokumentierten Zustands von vor den IS-Zerstörungen gehe. Das wäre dann die Rekonstruktion einer Ruine.

Informationen zu der Ausstellung finden sich auf der Webseite des Landesmuseums